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Initiative Kölner Klagemauer

Erklärung zum Antisemitismus-Vorwurf gegen die Kölner Klagemauer

Köln, den 8. August 2011 Walter Herrmann

 


"Bevor die Wahrheit die Schuhe anzieht, dreht die Lüge 3-mal um die Welt." (Spruch an der Klagemauer)

 

In Köln wie in Aachen läuft derzeit eine Kampagne, die darauf abzielt, der Klagemauer zu Palästina ein antisemitisches Image zu verpassen. Gleichzeitig werden gesellschaftliche Organisationen unter Druck gesetzt, sich von diesem Projekt zu distanzieren.


In Aachen wird die Kampagne angeführt von Matthias Fischer (ehern. Vorstandsmitglied des Aachener Friedenspreises), Otmar Steinbicker (ehern. Vorsitzender des Friedenspreises) und Richard Gebhardt (angehender Politikwissenschaftler). Die Stoßrichtung geht inzwischen gegen "den Aachener Friedenspreis seIbst, da dieser bisher dem Druck nicht nachgab, sich von der Kölner Initiative, dem nationalen Preisträger von 1998, zu distanzieren.
Die Aachener Tagespresse bot dem Trio ein großes Forum, sich zu produzieren.


Von ihrem Ansatz her geht es der Kölner Klagemauer darum, "Öffentlichkeit von unten" zu schaffen für Gruppen in der Bevölkerung, die unterdrückt und entrechtet werden. Maßstab für unsere Arbeit ist die Botschaft, die Abbe Pierre, der Begründer der Emmausbewegung, im Sept.1992 auf einen Karton der Klagemauer schrieb:

"Überall zuerst den Schwächsten
oder denen, die am meisten leiden,
dienen -
- das ist die Quelle jedes lebendigen Friedens."


Im Fall des Nah-Ost-Konflikts solidarisiert sich die Klagemauer mit den Palästinensern, die seit mehr als zwei Generationen ein Besatzungsregime zu ertragen haben, das die Normen des Völkerrechts grob missachtet.

Initiativen, die das andauernde Unrecht öffentlich machen, das den Palästinensern von israelischer Seite angetan wird, haben es hierzulande sehr schwer. Man wirft ihnen "extreme Einseitigkeit" vor und ist schnell dabei, sie in die "antisemitische Ecke" zu stellen und damit gesellschaftlich zu isolieren. lIn den 50-er Jahren gab es in den USA eine vergleichbare Kampagne gegen "antiamerikanische Umtriebe".)


Als Reaktion auf die israelische Militäroperation "Gegossenes  Blei" im Gazastreifen, Winter 2008/9, in deren Verlauf 1.400 Palästinenser getötet wurden, kam es in fast allen Ländern zu antiisraelischen Kundgebungen. Publikationen wie STERN und SPIEGEL brachten Fotos davon. Drei solcher Fotos übernahmen wir für die Klagemauer. Darunter war auch ein Foto von einer Kundgebung in Indien: Eine junge Frau hält ein Schild mit einer Karikatur hoch. Diese zeigt eine wuchtige, kopflose Figur, die mit Messer und Gabel ein palästinensisches Kind zerstückelt, das auf einem Teller liegt. Als Latz hat die Figur ein Tuch mit Davidstern um Hals und Brust gebunden, offensichtlich eine Anspielung auf die israelische Flagge.

An der Klagemauer, im dokumentarischen Teil, war dieses Fotomotiv mit erklärender redaktioneller Unterzeile platziert, die den Bezug zur Protestkundgebung in Indien und zum Gaza-Massaker herstellte.


Der Kölner Schauspieler Gerd Burrmann, Mitglied der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, pickte sich dieses Fotomotiv heraus und stellte es ins INTERNET als Beleg für den "antisemitischen" Charakter der Klagemauer. Die redaktionelle Unterzeile hatte er vorsorglich unkenntlich gemacht. So "bereinigt" konnte er es nutzen für eine großangelegte Kampagne gegen die Klagemauer. Ein klarer Fall von Manipulation!


Das Bildmotiv selbst ist problematisch, da es eine alte antisemitische-Metapher aufgreift. Das dpa-Foto davon ist aber ein Zeitdokument. Niemand kann bestreiten, dass die Militäroperation "Gegossenes Blei" weltweit antiisraelische und mitunter auch antisemitische Emotionen hervorgerufen und entsprechende Einstellungen bekräftigt hat. Das ist eine gesellschaftliche Realität mit der man sich auseinandersetzen muss. Bei den Diskussionen über "Antisemitismus" darf der Beitrag der israelischen Politik bei der Entstehung antisemitischer Ressentiments nicht ausgeklammert werden.


Zu keinem Zeitpunkt habe ich mich mit der Bildaussage der Karikatur identifiziert. Ich sah darin auch keine "Kunst", der zugebilligt wird, konventionelle Grenzen zu überschreiten. Schon frühzeitig distanzierte ich mich in einem Beitrag für den Kölner Stadt-Anzeiger von der Bildaussage der Karikatur, und zwar mit der Begründung, das Bildmotiv selbst könne als antisemitisch aufgefasst werden.


Wegen der Karikatur in der Klagemauer erstattete die Kölnische Gesellschaft im Februar 2010 Anzeige gegen mich wegen "Volksverhetzung". Ein paar Monate später stellte die Kölner Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen mich ein. Ihr lag ein Foto von der beanstandeten Bild-Text-Tafel vor, das die Polizei an der Klagemauer aufgenommen" hatte.

Die Verfahrenseinstellung begründete die Staatsanwaltschaft damit, dass die Zuordnung eindeutig sei. Die Figur mit Messer und Gabel stehe für die angreifende israelische Armee, während das Kind auf dem Teller die wehrlose Bevölkerung im Gazastreifen symbolisiere. Kritik am israelischen Vorgehen im Gaza-Streifen - auch in drastischer bildhafter Form - sei nicht zu beanstanden.

Ungeachtet dieser Klarstellung geht die Kampagne gegen die Kölner Klagemauer in Köln und Aachen unvermindert weiter. Man geht mit der manipulierten Version des ursprünglichen Bild-Text-Motivs hausieren und nötigt Organisationen und Einzelpersonen sich von der "antisemitischen" Kölner Klagemauer zu distanzieren. Was der Kölnischen Gesellschaft auf der juristischen Ebene nicht gelang, versuchte sie auf der politischen wettzumachen.

Sie ergriff die Initiative für einen "Runden Tisch" gegen die angeblich "Antisemitische" Kölner Klagemauer. Der tagte im September 2010. Einbezogen waren der Kölner OB, die Ratsparteien, Vertreter der Kirchen, die Städte-Partnerschaften Köln - Tel Aviv und Köln - Bethlehem sowie die Jüdische Gemeinde. Der OB von Tel Aviv hatte zuvor energisch gegen die Palästina-Klagemauer auf der Kölner Domplatte protestiert und die Stadt zum Handeln aufgefordert. Natürlich konnte die Stadt Köln ihre Partnerstadt Tel Aviv nicht im Regen stehen lassen.


Zwei Monate später brachte das Büro des Kölner OB eine mit der Kölnischen Gesellschaft abgestimmte "Resolution " gegen die "antisemitische Kölner Klagemauer" in Umlauf, Von den Ratsparteien verweigerte einzig die Partei "Die Linke" ihre Unterschrift. Nun wird in Köln eine Organisation nach der anderen genötigt, das Pamphlet zu unterschreiben. Von den Unterzeichnern hat sich noch niemanß gemeldet, um uns an der Klagemauer r zu helfen, die "antisemitischen Installationen" herauszufinden, deren Entfernung in der "Resolution" gefordert wird.


Was können die Initiatoren ger Kampagne gegen die Kölner Klagemauer - außer der "Karikatur" - sonst noch als Beleg für den "antisemitischen Charakter" der Klagemauer vorweisen?

Matthias Fischer aus Aachen will bei einem Besuch in Köln an der Klagemauer ein Plakatschild mit der Aufschrift"Gaza-Ghetto = Warschauer Ghetto" gesehen haben. Ein Schild mit dieser Aufschrift befand sich zu keinem Zeitpunkt an der Klagemauer. Er kann sich nur auf ein Schild mit folgender Aufschrift beziehen: "gestern: Warschauer Ghetto / heute: Gaza-Ghetto / Wie sich die Bilder gleichen!". Darüber hätte man kontrovers diskutieren können. Doch Fischer wollte nicht diskutieren. Im Beisein meines Kollegen Klaus Franke kamen wir miteinander in Streit, weil er darauf insistierte, auf dem Schild würden Gaza-Ghetto und Warschauer Ghetto gleichgesetzt. Damit würden die Nazi-Verbrechen verharmlost. Ich bestritt die Gleichsetzung und stellte klar, dass es erlaubt sein müsse, das eine mit dem anderen in Beziehung zu setzen.


Mit jüdischen Persönlichkeiten, die sich wie wir für einen gerechten Frieden in Palästina einsetzen/haben wir keine Probleme. Im Gegenteil: Wir schätzen sie als Humanisten in der Tradition hebräischer Propheten, die ihre Stimme erhoben für die Schwachen und Unterdrückten. Wir erkennen in ihnen unsere Freunde.

An einer zentralen Standtafel der Klagemauer haben wir Rachel Corrie und Daniel Barenboim für ihren mutigen Einsatz für Frieden in Palästina besonders gewürdigt. Ihre Porträts nimmt so gut wie jeder wahr, der an der Palästina-Klagemauer vorbeikommt.


Zu den Persönlichkeiten mit jüdischen Wurzeln, die uns zur Seite stehen, gehören: Stephane Hessel, Evelyn Hecht-Galinski, Reuven Moskowitz, Felicia Langer, Elias Davidson, Abraham Melzer. Sie waren alle schon an der Klagemauer, zum Teil mehrmals, und haben sich mit eigenen Karton-Botschaften an unserer Aktion beteiligt.


Stephane Hessel suchte im Juni 2010 zusammen mit seiner Frau unsere Klagemauer auf der Kölner Domplatte auf, bedankte sich für. unsere Aktion und schrieb auf ein Karton-Täfelchen:

 "Man muss sich erinnern: Israel dankt seine Existenz der UNO. Aber was die UNO von Israel verlangt - seit 60 Jahren! - ist Israel ganz egal. Es haut weiter auf die Palästinenser! Schrecklich!"


Stephane Hessel ist nicht irgendwer. Er, ein Franzose mit jüdischen Wurzeln, kämpfte als Mitglied der Resistance gegen den Hitler-Faschismus, wurde von den Nazis gefasst und in deutschen Konzentrationslagern schwer gefoltert. Er überlebte. Wardann lange Zeit Botschafter Frankreichs bei der UNO. Er ist Mitverfasser der UN-Menschenrechtsdeklaration. Jetzt ist er 93 Jahre alt und hat noch den Bestseller geschrieben: "Empört Euch!"


Diese unsere Unterstützer geben uns die Kraft, allen Anfeindungen und Verleumdungen standzuhalten und die Kölner Klagemauer als ein Projekt für Frieden und Menschenrechte fortzuführen.

Köln, den 8. August 2011 Walter Herrmann

 

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